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Karenz Wizard - Hilfe zur Selbsthilfe für Väter, die mehr als zwei Monate in Karenz gehen wollen - oder anderweitig Verantwortung übernehmen möchten. Mit interaktivem Planer für das einkommensabhängige Kinderbetreuungsgeld, Schritt für Schritt Anleitung, Infos zu #EqualCare / "Halbe Halbe" und mehr. 💪

Porträt von Matthias Andrasch
Ein privates Projekt von Matthias Andrasch, Programmierer & Blogger

Es gibt noch viel zu tun!

„Vieles von dem, was Väter heute erstmals als Hürde erleben, ist für Frauen am Arbeitsmarkt seit Jahrzehnten Realität.“
- Zitat aus dem Ergebnisbericht der Eltern-Umfrage von Bernhard Herzog, 2026

Dieses Tool sollte eigentlich die AK oder eine NGO betreiben

Dieses Projekt ist ein temporärer Prototyp. Ich habe es als Privatperson entwickelt, um zu zeigen, dass ein Online-Tool für gleichberechtigte Aufteilung der Karenz an sich einfach umsetzbar ist: So enstand als erstes der der eaKBG-Planer auf dieser Webseite.

Meiner bescheidenen Ansicht nach sollte eine öffentliche Behörde, die Arbeiterkammer oder eine NGO ein solches Tool offiziell betreiben. Insbesondere, um mehr Gleichberechtigung bei der Kinderbetreuung zu gewährleisten: Aktuell nehmen Väter in Österreich nur die minimal erforderlichen 2 Monate Karenz - wenn überhaupt. Ich behaupte: Manchmal aus Unwissenheit, dass mehr Monate überhaupt möglich wären (oder die Eltern-Teilzeit im 20h/20h-Modell). So zeigen Videos der AK nur Beispiele mit "2 Monaten Väterkarenz". Ein Online-Tool kann vielfältige Wege aufzeigen.

To be fair: Der Sozialstaat Österreich fördert allerdings auch nur 12+2 Monate mit gutem Geld und wenig Einkommensverlust, für eine längere Karenz muss man sich eine "unbezahlte Karenz" leisten können - diese Problematik wird mit diesem Tool ebenso sichtbar gemacht. Die Eltern-Teilzeit im 20h/20h-Modell, bei welcher Mutter und Vater 20h/Woche arbeiten und sich die Betreuung teilen, stellt allerdings ebenso eine Alternative für Gleichberechtigung dar.

Und natürlich müssen auch die Führungskräfte in Unternehmen Verantwortung übernehmen - leider gibt es auch heute noch Diskriminierung, Drohungen - bis hin zum späteren Arbeitsplatzverlust (siehe u.a. SPÖ-Umfrage zu Väterkarenz).

Die Entstehungsgeschichte

Eigentlich wollte ich als Papa möglichst „halbe-halbe“ machen bei der Karenz, aber die Realität hat mich bei der Planung schnell eingeholt: Mein Partnerin wollte gern 12 Monate Karenz zu Beginn übernehmen, somit blieben mir - auf den ersten Blick - nur die 2 verbleibenden Monate einkommensabhängiges Kinderbetreuungsgeld. Zu alternativen Möglichkeiten wie der Karenzverlängerung durch unbezahlte Karenz-Monate oder die 20h/20h Eltern-Teilzeit im Anschluss an die Karenz fand ich medial fast gar keine Informationen. Und statt einer Beratung, die Gleichberechtigung ("Equal Care") ebenso in den Fokus rückt, ging es primär darum, wie man „die meiste Förderung rausholt“. Aus diesem Grund habe ich den eaKBG-Planer gebaut, um verschiedene Aufteilungen interaktiv und visuell erfahrbar zu machen. Was ursprünglich als simpler Prototyp begann, ist mittlerweile zu dieser ganzen Informations-Webseite gewachsen. Ich möchte damit meinen kleinen Teil dazu beitragen, dass Väter nicht nur aus Unwissenheit oder wegen mangelnden Informationen zu den bisher üblichen zwei Mindestmonaten Väterkarenz greifen - während die Mütter 12 oder mehr Monate übernehmen.

Ganze Männer machen halbe-halbe?

Als werdender Vater wollte ich nicht zu den Männern gehören, die in den Medien kritisiert werden weil sie gar keine oder nur sehr wenig Karenz (2 Monate) in Anspruch nehmen:

In Österreich wird immer noch das sogenannte „Male-Breadwinner-Modell" praktiziert: Der Mann ist der Ernährer der Familie in einem Vollzeit-Arbeitsverhältnis, die Frau liefert zu und schupft den Haushalt.

Kindererziehung ist bei uns Frauensache. Nur 16 Prozent der Väter gehen in Babykarenz. Von diesen ohnehin sehr wenigen Karenzvätern bleibt mehr als die Hälfte nur die Minimalzahl von zwei Karenzmonaten beim Kind.

Vielleicht sollten sich Österreichs Frauen an den Isländerinnen ein Vorbild nehmen – Nina Horaczek (falter / Instagram)

"Ganze Männer machen halbe-halbe" - mit diesem Anspruch startete ich meine Planung.

Ganz so einfach ist es nicht!?

Schnell bemerkte ich jedoch, dass die Kritik mit "Väter nehmen nur 2 Monate" zwar im Kern berechtigt ist - aber die Artikel oft nicht das gesamte Regelwerk dahinter erklären:

Beim einkommensabhängingen Kinderbetreuungsgeld bekommen Eltern maximal 14 Monate Betreuungsgeld nach Geburt, 2 Monate muss der Vater minimal nehmen (sogenanntes "12+2"). Danach kann man dieses Modell gar nicht fortsetzen - der Vater müsste noch einen weiteren Teil "unbezahlte Karenz" nehmen. Wozu sich aber wenig bis keine Informationen online finden.

(Einige Eltern gehen hier bspw. auch beide in Eltern-Teilzeit für 20h/Woche und teilen sich die Betreuung vormittags und nachmittags auf oder sie teilen sich danach die Betreuung auf anderen Wegen. Auch dies findet so gut wie keine Erwähnung in kritischen Artikeln meiner Erfahrung nach.)

Bildungskarenz jetzt verboten nach Elternkarenz

Auch die Bildungskarenz wurde oft benutzt, um im zweiten Lebensjahr nach der Geburt noch Betreuung gewährleisten zu können wenn die 14 Monate vorbei waren - und die Eltern ihr Kind mit knapp einem Lebensjahr nicht direkt in eine Kindergarten-Gruppe bringen wollten. Was auch bspw. in Wien möglich ist, aber in Niederösterreich noch gar nicht gehen würde in diesem jungen Alter.
Diese Möglichkeit der Bildungskarenz "als Brücke zurück ins Erwerbsleben nach einem Kind" wird nun politisch verunmöglicht (siehe moment.at). Werdende Eltern müssen sich also neue Modelle überlegen.

Es fehlten vor allem: Gute und verlässliche Infos, wie man als Vater die Karenz über die 14 Monate Maximalzeit unbezahlt verlängert und alles organisiert.

Unbezahlte Karenz: Mitversichern bei unverheirateten Paaren - Fallstrick?! 🤯

Und so verbrachte ich den Papamonat damit, zu verstehen welche Modelle eigentlich möglich sind und wie man unbezahlte Karenz organisiert. Denn ich wollte nach 12 Monaten, die meine Partnerin nehmen wollte, nicht auch nur 2 Monate nehmen. Sondern mir zumindest ein paar Monate mehr Karenz mit unserem Kind ermöglichen, ohne daneben zu arbeiten. Rechtlich darf ich mich in den 2 Jahren nach der Geburt freistellen lassen, bei einer unbezahlten Karenz kann ich mich eigentlich relativ easy bei der Partnerin mitversichern - ich wurde jedoch von der Arbeiterkammer schnell darauf hingewiesen, dass es aktuell einen möglichen Fallstrick für die Mitversicherung bei unverheirateten Paaren gibt (Klausel „unbezahlte Haushaltsführung seit mindestens 10 Monaten"). Also nicht mal die ÖGK Mitversicherung war easy-peasy möglich in der unbezahlten Karenz - und im blödesten Fall muss man ja den vollen ÖGK Selbstversicherung bezahlen von ~500€/Monat 🤯

(Ich habe hierzu auch eine offizielle Anfrage an die Pressestelle der ÖGK gesendet mit Bitte um Klarstellung der Klausel, bisher leider unbeantwortet - sowie die Problematik bei einem AK Berater angesprochen, der es ins interne Feedbacksystem mitnehmen möchte.)

Ab wann ist ein Kind bereit für die Kindergarten-Gruppe?

Kalt erwischt hat mich daher auch das Thema "Ab wann ist das Kind bereit für Kindergarten-Gruppen? / Ab wann ist es entwicklungspsychologisch sinnvoll?". Dieses Thema wird sowohl hochemotional diskutiert, es wird vieles pauschal gefordert (Bezüge zu Skandinavien), einiges widerspricht sich - und am Ende ist es natürlich eine zutiefst individuelle Entscheidung der Eltern - die auch oft mit der Frage des Einkommens zusammenhängt. Jedes Kind ist anders.

Es gibt eine große Bandbreite an Modellen, wie Eltern die ersten Jahre mit Baby und Erwerbsarbeit organisieren. Mir war nicht bewusst, dass diese Entscheidung mit 14 Monaten nach Ablauf des eaKBG ansteht - wenn man doch zuvor immmer von 2 Jahren Recht auf Karenz liest. Dies bezieht sich aber nur auf das Recht der Freistellung beim Arbeitgeber, nicht die finanzielle Förderung durch den Sozialstaat. Was hier fehlt: Einfache Beschreibungen, welche verschiedenen Wege Eltern gehen könnten.

Ganze Männer müssen ... vor allem erstmal sehr viel recherchieren!

Long story short: Ganze Männer machen halbe halbe - nicht so einfach aktuell!

Es finden sich online einfach sau wenig Informationen dazu, wie man vom klassischen 12+2 abweicht. Ich habe einen Bachelor- und Master-Abschluss in Geisteswissenschaften, komplexe Thematiken und lange Texte sind mir nicht fremd - aber ich fand es extrem anstrengend, mir hier Klarheit und verlässliche Informationen zu beschaffen.

Was aus meiner Sicht fehlt: A) Ein Ratgeber mit rotem Faden - statt Einzelbroschüren zu allen Einzelthemen wie Mutterschutz, Papamonat, Kinderbetreuungsgeld-Modellen, etc. B) eine feministisch orientierte Beratung für Eltern, die direkt möglichst gleichberechtig die Betreuung übernehmen wollen, C) bessere Visualisierungen und vor allem Erklärvideos, die Männer mit mehr als 2 Monaten Karenz-Anteilen erklären (wie es jetzt leider bei AK-Videos der Fall ist) - und D) ein Onlinetool, wo man mit dem/der Partner:in alles ausprobieren kann.

Mit diesem Projekt möchte ich zumindest Punkt D) angehen und einen kleinen "Proof of concept" liefern. Mit der Hoffnung, dass der nächsten Mutter und dem nächsten frischgebackenen Vater nicht so der Kopf brummt - und ein klein wenig mehr Gleichberechtigung möglich ist.

Und natürlich ist es großartig, dass Österreich ein Sozialstaat ist und es überhaupt Mutterschutz, Papamonat, staatliche Karenz-Förderungen & Co gibt. Aber: Luft nach oben ist immer!

Kritisches Feedback ist sehr willkommen!